Handarbeit formt das Gehirn – Werkfreude an der Skärgårdsstadsschule

An der Skärgårdsstadsschule in Österåker prägt das Leitmotiv KRAM – Kameradschaft, Respekt, Achtsamkeit und Mut – den Schulalltag. In der Holz- und Metallwerkstatt treffen wir die Lehrerin Nina Bengtsson, die zeigt, wie das Fach Werken weit mehr sein kann als handwerklicher Unterricht. Hier entstehen Ruhe in einer digitalen Zeit, Raum für kreative Problemlösungen – und Stolz auf das eigene Schaffen.

Werken als Gegenkraft in einer digitalen Welt

Der Werkraum ist ordentlich und einladend, Werkzeuge hängen griffbereit und neue Werkbänke
warten auf den Einsatz. An den Wänden sind Spuren laufender Kooperationen mit anderen Fächern zu sehen: ein Projekt mit der 3. Klasse „Unter der Oberfläche“, bei dem Werken mit Schwedisch, Sozialkunde und Naturwissenschaft verbunden wird. Für Nina ist diese Ganzheit wichtig -
Handarbeit soll Brücken schlagen zwischen Fächern, Schülern und Kollegen.

Die Skärgårdsstadsschule feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen und zählt rund 450 Schülerinnen und Schüler von Klasse 1 bis 9. In einem Alltag voller Bildschirme und Ablenkungen wird das Werken zur wohltuenden Gegenkraft.

Balance zwischen Freiheit und Struktur

Nina ist ursprünglich Freizeitpädagogin und bezeichnet sich selbst als „Vielbastlerin“. Sie entschied sich für Holz und Metall als Schwerpunkt, betont jedoch, dass die Pädagogik stets im Zentrum steht. Mit der Erfahrung lernte sie, Struktur mit Kreativität zu verbinden: klare Ziele und Techniken, aber immer Raum für eigene Ausdrucksformen. So üben die Schülerinnen und Schüler, Projekte zu planen, Material auszuwählen, umzusetzen und zu bewerten – eine Arbeitsweise, die Geduld und Problemlösungskompetenz stärkt.

Sie erzählt von Herausforderungen: große Schülergruppen an manchen Schulen, nachlassende Feinmotorik, wenn der Alltag von Bildschirmen geprägt ist, und die Schwierigkeit, Mathematik „in den Werkunterricht zu verlagern“, wenn plötzlich Millimeter statt Zentimeterlineale zählen. Gleichzeitig sind es genau hier, wo sie ihre stärksten Momente erlebt – wenn ein Kind in der zweiten Klasse spontan eine Schritt-für-Schritt-Zeichnung anfertigt, wenn Neuntklässler ein anspruchsvolles Projekt vorantreiben, das sie sich gemeinsam mithilfe von Videoclips erarbeiten, wenn jemand einen Melkschemel ganz ohne Elektrowerkzeuge baut oder wenn Kinder im Flur an ihr vorbeirennen und mit glänzenden Augen rufen: „Morgen haben wir Werken!“

Nachhaltigkeit

Zieht sich wie ein roter Faden durch den Unterricht. Häufig kommen Recyclingmaterialien zum Einsatz, und Kooperationen mit der Schulküche oder dem örtlichen Recyclinghof eröffnen neue Möglichkeiten. Wenn es Zeit und Raum erlauben, finden auch Schülerideen ihren Platz – manchmal inspiriert durch Techniken, die Nina selbst in Fortbildungen erlernt. Ein Highlight ist das Schnitzen im Freien während der Pausen. „Dabei entsteht ein besonderer Flow“, erzählt sie. Die einzige Begrenzung: Es können nicht alle gleichzeitig teilnehmen.